Bender, Leopold - Die siebzig Jahrwochen

Nach Dan. 9, V. 24-27

Der Mensch steht auf der Brücke der Zeit zwischen den Ewigkeiten. Wir gleichen Janus, dem Gott der Römer, der zwei Angesichter hatte, eins, das vorwärts und eins, das rückwärts schaute. Die Seele des Menschen ist so veranlagt, daß sie sich beschäftigen muß mit der Vergangenheit und wünscht, in die Zukunft zu blicken; jeder Mensch hat das Bedürfnis, zurück und vorwärts zu blicken. Die Frage: „Was wird die Zukunft bringen?“ bewegt sein Herz. Beides ist auch wichtig: Vergangenheit und Zukunft. Wenn es beim Brotbrechen heißt: „Wir verkündigen den Tod des Herrn,“ so ist das Vergangenheit: „Bis daß er kommt,“ weist hin auf die Zukunft. Die Vergangenheit gehört der Geschichte an, sie ist vor uns aufgeschlagen wie ein aufgeschlagenes Buch, und wenn wir mit Gottes Wesen und Werken bekannt werden wollen, müssen wir rückwärts schauen. Gott hat sich in der Vergangenheit offenbart; das ist niedergelegt in der Heiligen Schrift. Gott hat die Welt aus Nichts erstehen lassen; das nehmen wir wahr durch den Glauben. Die große Tat der Erlösung, Tod und Auferstehung des Sohnes Gottes gehören der Geschichte an. Das alles weist rückwärts und liegt in der Vergangenheit. Wollen wir einen festen Anhalt haben für den Glauben, so müssen wir rückwärts schauen; denn Gott hat sich in der Vergangenheit offenbart. Der Psalmist ruft aus: „Wenn ich bedenke, wie du von der Welt her gerichtet hast, dann werde ich getröstet.“

Wer nicht die Bibel studiert, die die heilige Geschichte enthält, kommt nicht vorwärts in der Erkenntnis Gottes. Auch, wenn wir zur Erkenntnis unserer selbst kommen wollen, müssen wir zurückschauen; es ist überhaupt gut, wenn wir nicht vergessen, woher wir gekommen sind. Das ist vor allen Dingen die Grundlage, auf der unser Glaube beruht, er stützt sich auf die Taten Gottes in der Vergangenheit.

Wir wissen, woher wir kommen, wir wissen, woher die Übel kommen, die in der Welt sind, können es wenigstens wissen; wir wissen, woher der Tod kommt; all das sagt uns die Geschichte, die Vergangenheit. Die Gelehrten unserer Zeit forschen darin; wir wissen: Gott hat den Menschen geschaffen. Wir kennen den Sündenfall, den Tod, der über alles Fleisch herrscht und die Ursache des Todes; all' das kommt von dem, was hinter uns liegt, laßt uns also auch die Vergangenheit im Auge behalten!

Aber wir möchten auch gerne den Schleier lüften, der uns die Zukunft verhüllt. Ein Mensch, der keine Zukunft mehr hat, ist entweder ein echter Materialist oder er verzweifelt. Der Pantheismus kommt nur daher, und aus ihm entsteht der Materialismus unserer Zeit.

Der Apostel sagt ganz recht: „Wenn die Toten nicht auferstehen, lasset uns essen und trinken!“ Das ist die Konsequenz, wenn der Mensch keine Zukunft hat. Die Zukunft, wenn sie uns gelichtet ist, ist wichtig auch für unser Streben. Sie zeigt uns, was Gott über uns beschlossen hat, was aus uns werden soll, und das wird dann ein Motto für uns, daß wir für die Zukunft auch sorgen, vor allen Dingen „einen guten Grund für das Zukünftige legen“, die ewigen Güter höher schätzen und die Dinge der gegenwärtigen Welt gering achten lernen.

Es ist auch sehr wichtig, daß die Heilige Schrift viele Weissagungen enthält und daß ein großer Teil derselben schon erfüllt ist; jawohl, manche biblische Weissagung ist schon erfüllt und gehört bereits der Geschichte an. Gottes Wesen besteht auch darin, daß er sagen kann, was geschehen wird. Die Schrift bezeugt: „Er tut nichts, er sage denn zuerst seinen Propheten, seinen Knechten, was er vorhat.“ An einer anderen Stelle heißt es: „Wie kann ich Abraham verbergen, was ich tun will?“ Gott hat das Bedürfnis, uns mit seinen Gedanken vertraut zu machen. Daß manche Weissagungen bereits erfüllt sind, ist ein schlagender Beweis für die Göttlichkeit der Heiligen Schrift; darin liegt aber auch, daß die anderen zu ihrer Zeit buchstäblich erfüllt werden. Man muß sich ja wundern, wie die Theologen und Gelehrten unserer Zeit, mit der Bibel in der Hand, trotz dieses starken Beweises nicht Licht bekommen.

Auch unser Text enthält Weissagungen, die zum Teil schon erfüllt sind, aber auch eine Weissagung, die noch in der Zukunft liegt. Diese Weissagung hat einen eigentümlichen Charakter; sie ist auch die einzigste der Danielschen Weissagungen, die von der Erlösung durch Gnade handelt; die anderen reden nur von der Erlösung durch Macht.

Die grundlegende der Weissagungen im Buche Daniel ist das Monarchiebild; die anderen Weissagungen dieses Buches sind nur Ausführungen dieses ersten Bildes. Dies erste Bild war der Traum, den Nebukadnezar von den Weltreichen hatte, den Daniel dem Nebukadnezar deutete. Diese erste Weissagung wird weiter entwickelt in Daniel 7, wo Daniel im Traum vier Weltreiche sah und zwar in derselben Reihenfolge wie Nebukadnezar. Während aber Nebukadnezar das Menschliche, Humane an den vie Weltreichen sah, erkennt der Prophet an ihnen das Widergöttliche. So sind diese vier Weltreiche ja auch: auch die Reiche unserer Zeit haben trotz ihrer humanen Seite Raubtiercharakter, sind widergöttlich. Zum ersten Mal taucht nun hier das kleine Horn mit Menschenaugen auf, die Weissagung vom Antichrist. In der Weissagung ist dann vom Stein die Rede, der das Bild zerstört. Das ist die Aufrichtung des Reiches Gottes durch Macht. Die Welt sieht das Reicht Gottes als den dummen Stein an; aber dieser Stein wird das Weltreich zerstäuben. Das Gericht kommt durch des Menschen Sohn, der vom Himmel kommt. Vom Himmel nur kommt die Hilfe; die Weltreiche werden von da aus zerschlagen. „Christus und der Antichrist!“ - das ist der Grundgedanke.

Und nun unser Text!

Zunächst hören wir, unter welchen Umständen, bei welcher Gelegenheit Daniel diese Offenbarung empfing. Unser Kapitel sagt Vers 2, daß ihm die Offenbarung zuteil wurde, als er den Propheten Jeremias las; Daniel kannte ja die Propheten Jesaja und Jeremia; deren Bücher studierte er. Auch die Propheten mußten forschen; Daniel ist wiederholt krank geworden vor lauter Denken, um zusammenzustellen und herauszufinden, wie es kommen sollte. Sich ein Bild vom Messias zu machen, war sehr schwer für Daniel. Er wurde auf die Weissagung Jer. 25 aufmerksam, wo es heißt, daß die Juden 70 Jahre gefangen sein sollten. Kap. 29 heißt es, daß nach 70 Jahren die Juden erlöst sein sollten; demnach konnte man annehmen, daß nach dem babylonischen Exil der Messias bald kommen würde. Daniel las das. Belsazar war gestürzt durch die Perser und Meder; Daniel war ein hoher Staatsmann im medopersischen Reich. Es war im ersten Jahre des Darius, als Daniel auf die Zahl der Jahre aufmerksam wurde; die 70 Jahre gingen nun ihrem Ende zu, und nichts deutete an, daß die Gefangenschaft bald ein Ende nehmen sollte. Da demütigte sich Daniel vor Gott, um seine und seines Volkes Sünde zu bekennen. Nach Vers 19 in Daniel 9 betet Daniel: „Um deiner selbst willen erbarme dich über deine Stadt und dein Volk!“ Wir sehen hier, wie die, die das prophetische Wort studieren, dadurch zum Handeln gebracht werden. Wir haben nur dann Segen, wenn wir wissen, was wir jetzt zu tun haben. So machte es Daniel: er betet; bei der Gelegenheit, wo er so betete und seine und seines Volkes Sünde bekannte, da kam in Eile der Engel Gabriel und sagte: „Ja, nicht 70 Jahre sollen vergehen, sondern 70 Jahrwochen (70 Siebende); dann wird es geschehen.“ Der Engel sagte dem Daniel also nicht die Erlösung aus Babel; das Edikt, das bald von Kores (Cyrus) folgte, gab dem Daniel die Antwort auf sein Gebet. Die Worte des Engels sagen mehr; doch davon nachher; laßt uns jetzt darauf achten, daß wir hier sehen können, wie die Engel dienen. Wir kennen nur zwei Engel mit Namen: Gabriel und Michael. Von Gabriel werden uns 4 Taten erzählt, von Michael auch vier Taten. Im 8. Kapitel des Daniel wird uns erzählt, wie Gabriel dem Daniel zum ersten Male erschien (Dan. 8,16ff.); das war, als das griechische Reich das medo-persische zerstörte und aus dem griechischen Reiche der Antichrist des alten Testamentes kam - Antiochus Epiphanes. Da lernte Daniel den Gabriel kennen. Dieser Gabriel erschien ihm jetzt, um ihm zu sagen, daß sein Gebet erhört sei. Derselbe Gabriel brachte auch dem Zacharias die Nachricht, daß Gott ihm einen Sohn schenken werde. Die letzte große Aufgabe dieses großen Botenengels war die Verkündigung der Geburt des Messias; das sind die 4 Taten des Gabriel, die uns berichtet sind.

Michael ist ein kriegführender Engel; er zankt mit dem Satan über den Leichnam Mose (Juda 9). Dann geht aus Daniel 10, 12-13 hervor, daß Michael ein kriegführender Engel ist. Es heißt Vers 13: „Aber der Fürst des Königreichs in Perserland hat mir ein und zwanzig Tage widerstanden; und siehe, Michael, der vornehmsten Fürsten einer kam mir zur Hilfe; da behielt ich den Sieg bei den Königen in Persien.“ Daniel 12,1 heißt es: „In der letzten großen Trübsal, dann wird der große Fürst“ etc. Das letzte Mal wird Michael in Off. 12 genannt. Da streitet der Engel Michael mit dem Drachen im Himmel. Michael ist also ein kriegführender Engel; er hat den Namen Erzengel. Nicht ein, sondern der Erzengel Michael heißt es. Michael heißt: „Er ist wie Gott.“ Er ist also ein großer Fürst, wie es auch heißt in Daniel 12: „Der große Fürst Michael, der für die Kinder deines Volkes steht, wird sich zu der Zeit aufmachen.“ Hier in Off. 12 handelt es sich wieder um Israel; denn immer, wenn Michael auftritt, handelt es sich um Israel.

Es ist bemerkenswert, daß Satan stets auftritt, wenn es sich um die Annahme Israels handelt;: diese Tatsache gibt auch Licht über die Offenbarung Johannes und Anhalt für deren Erklärung. Als Israel aus Babel zurückkehrte, hat er auch gekämpft; er wußte, daß die Verheißung auf diesem Volke lag; deshalb suchte er das Volk zu vernichten. Lies Sach. 3! Da steht Satan vor dem Engel, erhebt Widerspruch und zeigt, daß Josua unreine Kleider habe; aber die Rechte Satans waren verwirkt. Der Engel sagte: „Der Herr schelte dich, du Satan!“ Da sehen wir den Kampf schon. Aber Offenbarung 12 entbrennt dieser Kampf noch ganz anders; da wird Satan hinausgeworfen auf die Erde, und damit beginnen die letzten 3 ½ Jahre auf Erden.

Wir sehen, daß die Engel organisiert sind; jeder Engel weiß ganz genau, wozu Gott ihn gebraucht, und so ist es auch bei uns. Jeder von uns hat seinen besonderen Beruf, für den ihn Gott auch qualifiziert und ausgerüstet hat.

Nun zu einem andern Punkte! In dieser Weissagung werden runde Zahlen angegeben; hier wird genau die Zeit angegeben, wann der Messias auf Erden erscheinen wird. „70 Siebende (Jahrwochen) sind bestimmt über dein Volk und die heilige Stadt, so wird dem Übertreten gewehrt und die Sünde abgetan, und die Missetat versühnt, und die ewige Gerechtigkeit gebracht, und die Gesichte und Weissagungen versiegelt und ein Allerheiligstes gesalbet werden!“

Wenn von Zahlen die Rede ist, wenn die Zeit nach Tagen und Monaten angegeben wird, dann hat das nur auf Israel Bezug; es ist von großer Wichtigkeit, dies zu beachten. Wenn man das verstanden hätte, würden sich nicht zu viele mit ihren Berechnungen blamiert haben. Auf die Gemeinde kann sich das nicht beziehen; die Gemeinde ist ein himmlischer Körper; sie steht über Sonne, Mond und Sternen; wenn die Jünger solche Zeitangaben wünschen, so antwortet ihnen der Herr, es sei nicht not, daß er ihnen Jahre, Tage und Stunden angebe. Wiederkunft unseres Herrn ist uns nicht nach Tagen und Stunden bekannt; wir erwarten alle Zeit den Sohn Gottes vom Himmel.

Anders liegt die Sache bei Israel. Als Gott mit Abraham den Bund schloß, sagte er ihm: „Das sollst du wissen, daß dein Same wird fremd sein in einem Lande, das nicht sein ist, und wird man sie zu dienen zwingen und plagen 400 Jahre. Aber ich will richten das Volk, dem sie dienen müssen, darnach sollen sie ausziehen mit großem Gut!“ Das war für Abraham eine bittere Sache, hören zu müssen, daß sein Same 400 Jahre lang von Fremdlingen bedrückt werden sollte, aber er sah auch, daß sie nicht in der Knechtschaft bleiben würden. Und wie Gott gesagt, so geschah es auch: „Nach 400jähriger Knechtschaft wurde Israel aus Ägypten ausgeführt.“ Wir können annehmen, daß die gläubigen Israeliten diese Weissagung kannten, und daß dies sie aufrecht erhielt.

Und dann, als Israel durch die Wüste ging und sich sehr versündigte am Herrn, hat der Herr ihnen auch die Zeit angegeben, wie lange sie durch die Wüste wandern sollten: „40 Jahre!“ Das war ja auch schwer für das Volk, aber sie hatten doch auch wieder die Hoffnung: „Nach den 40 Jahren kommen wir ins gelobte Land!“

Nun möchte ich auf Kapitel 8 im Daniel hinweisen, weil das vielfach falsch gedeutet wird. Was dort steht in Vers 23 und 25, bezieht sich nicht, wie viele annehmen, auf den kommenden Antichrist, sondern auf den Antichrist des Alten Testamentes: Antiochus Epiphanes, der aus dem griechischen Weltreich gekommen ist. Der Widder mit den zwei Hörnern, den Daniel sah, das sind die Könige in Medien und Persien, sagt Vers 20. Der Ziegenbock mit dem großen Horn zwischen den Augen ist der erste König des griechischen Weltreiches: Alexander der Große (V. 31). Aus seinem Reich entstanden 4 Reiche, von denen aber keins die Größe und Bedeutung des alexandrinischen Weltreiches hatte. Das beschreibt Daniel 8,22: „daß aber 4 an seiner Statt stunden, da es zerbrochen war, bedeutet, daß vier Königreiche aus dem Volk entstehen werden, aber nicht so mächtig, als er (Alexander der Große) war.“ Aus dem einen Horn entstand nun ein Zacken. Von dem heißt es Dan. 8,23-25: „In der letzten Zeit ihres Königreichs, wenn die Übertreter überhand nehmen, wird aufkommen ein frecher und tückischer König. Der wird mächtig sein, doch nicht durch seine Kraft; er wird greulich verwüsten und wird ihm gelingen, daß er's ausrichte. Er wird die Starken samt dem heiligen Volk verstören. Und durch seine Klugheit wird ihm der Betrug geraten, und er wird sich in seinem Herzen erheben, und mitten im Frieden wird er viele verderben, und er wird sich auflehnen gegen den Fürsten aller Fürsten; aber er wird ohne Hand zerbrochen werden.“ Das deuten manche auf den Antichristen der Endzeit. Das stimmt aber nicht; der Antichrist kommt aus dem vierten, dem römischen Weltreich, nicht aus dem dritten, dem griechischen Weltreich. Daniel will nun gern wissen, wie das zugeht; denn die Sache traf sein Volk in großem Maße. Nach Dan. 8,13 fragt er: „Wie lange soll doch währen solch Gesicht vom täglichen Opfer und von der Sünde, um welcher willen diese Verwüstung geschieht, daß beide, das Heiligtum und das Heer, zertreten werden? Und er antwortete mir: Bis 2300 Abende und Morgende um sind, dann wird das Heiligtum wieder geweihet werden.“ 2300 Abende und Morgende sind 2300 Opfer, also 1150 Tage. Damit hat man gerechnet bis 1844 und noch weiter. Nach 1150 Tagen wird also das Heiligtum geweiht; wenn nun in der Bibel vom Tempel die Rede ist, so ist das nur der Tempel zu Jerusalem. Zwar sagt auch das Neue Testament in Beziehung auf die Gemeinde oft „Tempel“, aber da liegt die Sache so: wir werden zum Tempel gebaut, zum geistlichen Tempel mehr und mehr; mit dem Heiligtum in Dan. 8,13 ist der Tempel zu Jerusalem gemeint; das Allerheiligste ist zukünftig. Daniel 7 ist noch nicht dagewesen, das ist Antiochus Epiphanes, der Antichrist des Alten Testaments. Was in Daniel 8 geweissagt ist, ist geschichtlich erfüllt: 168 vor Christo hat Antiochus Epiphanes das Heiligtum, das ist der Tempel zu Jerusalem, zerstört und den Greuel der Verwüstung hineingebracht. Er zwang die Juden, Schweinefleisch zu essen. 165 vor Christus hat der Vater des Judas Makkabäus das Heiligtum gereinigt; das sind die 1150 Tage, von denen Daniel 8,14 geredet wird. Das war eine schwere Zeit; nie stand es so schlecht um das Reich Gottes, aber das Wort stärkte die, so darauf achteten. Auch von der Offenbarung Johannis gilt, wenn von bestimmten Zeiten die Rede ist, dann sind wir auf israelitischem Boden, das bezieht sich dann nie auf die Gemeinde, denn, wie gesagt, Israel ist ein irdisches Volk, die Gemeinde hat himmlischen Charakter.

Nun wird dem Propheten zunächst gesagt, daß innerhalb dieser 70 Jahrwochen etwas Großartiges geschehen werde. „70 Jahrwochen sind bestimmt über dein Volk und über deine heilige Stadt, so wird dem Übertreten gewehret, und die Sünde abgetan und die Missetat versöhnet und die ewige Gerechtigkeit gebracht und die Gesichte und Weissagung versiegelt und ein Allerheiligstes gesalbet werden.“ Das ist die einzige Weissagung des Daniel, die von der Erlösung durch Gnade handelt. An die Spitze stellt er: „Dann wird dem Übertreten gewehret werden.“ Das ist etwas Großes. Die Menschen sind alle Übertreter; und nun soll dem Übertreten gewehrt werden? Wodurch? Durch Macht? Nein. Wodurch denn? Die Sünden werden abgetan. Dadurch. Wie, die Sünden abgetan? Hebräer 9 lesen wir: Christus ist gekommen durch ein einmaliges Opfer hinwegzutun die Sünde. Die Sünde ist also hinweggetan, gerichtet, begraben. Aber es gehört noch etwas dazu: die Missetat ist versöhnet; das ist die Grundlage; durch das Kreuz, durch das Blut am Kreuz des Herrn; der Engel geht von der Wirkung auf die Ursache. Zuerst die Versöhnung mit Gott durch Christi Blut, dadurch ist die Sünde gesühnt, der Zugang zu Gott gebahnt, ausgetilget die Handschrift, so wider uns war, welche durch Satzungen entstund und gegen uns war, aus dem Mittel getan und ans Kreuz geheftet, und es wird auch der Übertretung gewehrt, jetzt schon bei den Gläubigen, die in der Versöhnungsgnade stehen, die glauben, daß ihre Sünde abgetan, die ihr Fleisch gekreuzigt haben, der göttlichen Natur teilhaftig geworden sind u.s.w. Natürlich: völlig wird der Übertretung erst zuletzt gewehrt werden; wir haben aber auch in dieser Beziehung des Geistes Erstlinge. Die erste Hälfte von Dan. 9 Vers 24 nennt jedoch nur die negative Seite. Dann folgt die positive Seite: „Die ewige Gerechtigkeit gebracht, die Gesichte und Weissagung versiegelt und ein Allerheiligstes gesalbt.“

  1. Die ewige Gerechtigkeit gebracht. Wo ist auf Erden eine Gerechtigkeit zu finden? Die Gerechtigkeit, die wir haben, ist eine geschenkte. Adam hat seine Gerechtigkeit verloren; wir haben nie eine besessen, aber eine ewige Gerechtigkeit ist uns, den Ungerechten, geworden. Das ist etwas Großartiges, daß diese Gerechtigkeit nie mehr verloren gehen kann; die Gerechtigkeit Gottes ist uns zugerechnet, und wenn sie einmal in uns versenkt ist, können wir nie mehr fallen. Unsere Gerechtigkeit steht fester als die Gerechtigkeit der Engel; denn unsere Gerechtigkeit wurzelt in Christo; diese Wahrheit kommt nie aus der Mode. An diese Gerechtigkeit schließt sich alles: ewige Sicherheit, ewiger Friede, ewige Seligkeit. -
  2. Dann werden die Gesichte und Weissagungen zusammengebunden und versiegelt, denn sie sind erfüllt. Es wird geschehen, was Gott geschworen hat, von der Welt an. Dann wird auch
  3. das Allerheiligste gesalbt werden; dann ist keine Trennung mehr zwischen Heiligem und Allerheiligstem; in ungetrübter Gemeinschaft ist Gott mit seinem Volke. Wunderbare Botschaft! Das wurde dem Daniel verkündigt. Welch ein Trost liegt doch darin! Wir warten jetzt im Glauben der Hoffnung der Gerechtigkeit (Gal.) Ihre seligen Folgen stehen noch aus.

Der Engel macht in Beziehung auf die 70 Jahrwochen eine Dreiteilung. Er sagt Daniel 9, 25-27: „So wisse nun und merke: Von der Zeit an, so ausgehet der Befehl, daß Jerusalem soll wiederum gebaut werden, bis auf den Gesalbten, den Fürsten, sind sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen, so werden die Gassen und Mauern wieder gebauet werden, wiewohl in kümmerlicher Zeit. Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden, und nichts mehr sein. Und das Volk eines Fürsten wird kommen und die Stadt und das Heiligtum zerstören, daß es ein Ende nehmen wird, wie durch eine Flut; und bis zum Ende alles Streites wird es wüste bleiben.

Er wird aber vielen den Bund stärken eine Woche lang. Und mitten in der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhören. Und bei den Flügeln werden stehen Greuel der Verwüstung, bis das Verderben, welches beschlossen ist, sich über die Verwüstung ergießen wird.“ Also eine Dreiteilung: 7, 62 und 1 Woche. Die sieben Wochen sind 49 Jahre (sieben Siebende). Sie umfassen die Zeit, wo Esra und Nehemia in Jerusalem tätig waren, um die Stadt wieder aufzubauen. Beinahe hundert Jahre vorher hatten Serubabel und Josua den Befehl von Kores, den Tempel zu bauen, nicht aber die Stadt (Siehe Esra 1). Kores ist der Perserkönig Cyrus der Weltgeschichte; daß er keinesfalls dazu Veranlassung gegeben haben kann, die Stadt Jerusalem bauen zu lassen, ist daraus ersichtlich, daß die Perser später Schwierigkeiten machten, als die Stadt gebaut werden sollte; denn Jerusalem liegt fest und machte den Völkern damaliger Zeit nicht geringe Schwierigkeiten. Zur Zeit Arthahsastha's kamen Esra und Nehemia, die Stadt wieder aufzubauen. In dieser Zeit weissagte Maleachi. Es war das Letzte; von nun an schwieg der Geist der Inspiration 400 Jahre. Vorher, zur Zeit des Tempelbaues durch Serubabel und Josua, weissagten Haggai und Sacharia; zur letzten Zeit des alten Bundes weissagt Maleachi. Der schließt: „Bald wird kommen der Geist des Herrn!“ Damals verstummte der Geist der Offenbarung, und es trat eine kümmerliche Zeit ein. In dieser Zeit wurde die Stadt wieder gebaut und bevölkert. Nehemia und Esra kamen im 7. Jahre des Arthahsastha's nach Jerusalem, Nehemia allerdings erst im 20. (Neh. 2,1). Das war 457 vor Christo, wo der Befehl durch Arthahsastha ausging, daß die Stadt Jerusalem gebaut werden sollte; bevollmächtigt hierzu war Esra; wir dürfen also bei dieser Rechnung nicht auf Nehemia zurückgehen; da Nehemia im 20. Jahre, Esra schon im 7. Jahre dieses Königs nach Jerusalem ging, so kommen wir, wenn wir von Nehemia ausgehen, 13 Jahre weiter, also auf 444 vor Christo, von Esra ausgehend aber auf 457 vor Christo. Das ist das Jahr, von dem wir auszugehen haben. Unsere heutige Zeitrechnung ist nun um 4 Jahre zurück; das ist ja erwiesen und bekannt. Rechnen wir nun 483 Jahre von 457 vor Christo an, dann kommen wir auf das Jahr 26 nach Christo; zählen wir dazu die 4 Jahre, welche unsere Zeitrechnung zurückgeblieben ist, so haben wir das Jahr 30 nach Christo; in diesem Jahre begann der Herr Jesus seine öffentliche Wirksamkeit.

Die Weissagung sagt: „In kümmerlicher Zeit wird das alles geschehen!“ Die Zeit der Makkabäer, die im Kampfe lagen mit Syrien, war die kümmerlichste Zeit Israels. (Lies die Geschichte der Makkabäer!) Es war Antiochus Epiphanes, dessen Hand schwer auf Israel lag und den Daniel 8, 23-25 schildert. Dieser Antiochus Epiphanes wollte im ganzen Reiche den Kultus des Jupiter einführen; nur die Juden folgten nicht; die Makkabäer wandten sich schließlich an die Römer, um mit ihnen einen Bund zu schließen, damit sie von den Syrern befreit würden. Dadurch kam dann Palästina in die Hand der Römer; diese haben schließlich Herodes den Großen ins Land gebracht, und Judäa wurde eine römische Provinz. Es war eine kümmerliche Zeit in religiöser Beziehung: Wenige Gläubige wie der alte Simeon, die alte Hannah … Die Theologen der damaligen Zeit, die die Weissagungen hatten, konnten nicht berechnen, daß Christus kommen mußte; es ging damals gerade wie in unserer Zeit: die Theologen und Gelehrten haben die Bibel in der Hand und wissen nicht, das prophetische Wort recht zu deuten, und doch ist es wahr: Es ist nicht alles verschlossen. Die Weissagung war so bestimmt, daß Jesus mit Recht sagte: „Warum prüft ihr nicht die Zeichen der Zeit?“ In kümmerlicher Zeit sollte der Messias kommen. Wie mußte das bitter für Daniel sein! Nach 483 Jahren soll der Messias auftreten. Und was geschieht dann? „Und nach den zweiundsechzig Wochen wird Christus ausgerottet und nicht mehr sein.“ Wie sollte sich das der Prophet erklären? Der Messias, von dem er die Aufrichtung seines Volkes erwartete und ersehnte, kommt, wird ausgerottet und nicht mehr sein? Welch ein Rätsel für Daniel! Aus den Büchern Mose wissen wir, daß ausgerottet sein so viel heißt, wie einen großen Fluchbann über jemanden bringen; der Ausgerottete aus dem Volk mußte aus dem Volksverband ausgerottet werden; das ist mit Christus geschehen, tatsächlich geschehen; er wurde nach den 62 Wochen an das Kreuz geschlagen, ausgerottet. Wie mußte solche Aussicht für Daniel schmerzlich sein! Aber durch die Ausrottung des Messias wurde das erfüllt, was Daniel 9,24 sagt. Durch die Verknüpfung der Bosheit des Menschen und der Gnade Gottes durch die Ausrottung des Messias wurde erst ermöglicht, daß dem Übertreten gewehret, die Sünde abgetan, die Missetat versöhnet, die ewige Gerechtigkeit gebracht, die Gesichte und Weissagung versiegelt und ein Allerheiligstes gesalbet werden konnte. Das konnte Daniel allerdings noch nicht verstehen; Jesaja hat davon schon etwas mitbekommen. Jes. 53 zeigt klar die Ausrottung des Messias. So mußten die Propheten forschen und zusammenstellen, um ein Ganzes zu bekommen.

Nun weiter! Dan. 9,26b

„Und das Volk eines Fürsten wird kommen, und die Stadt und das Heiligtum zerstören, daß es ein Ende nehmen wird wie durch eine Flut.“ Das ist schon geschehen, ist schon Geschichte. Der Messias ist ausgerottet; die Erlösung ist gebracht; die Römer sind gekommen; das ist das Volk, die Stadt und Heiligtum zerstört haben. (Sie haben aber nicht den Greuel der Verwüstung aufgerichtet.) „Und bis ans Ende wird's wüste bleiben.“ Das ist die Zeit, in der wir leben; das Volk des kommenden Fürsten hat Stadt und Heiligtum zerstört, alles verwüstet, die Juden sind zerstreut und für Israel wird es wüste bleiben, bis die Zeit der Heiden erfüllet ist. Jawohl, das ist die gegenwärtige Zeit, in der wir leben.

Nun handelt es sich um die siebzigste Jahrwoche.

Was bedeutet die? Diejenigen, die die sogenannte kirchengeschichtliche Auffassung auch der Offenbarung vertreten, bringen die siebzigste gleich mit der neunundsechzigsten Woche in Verbindung; sie sagen, der Herr habe mit vielen Juden einen Bund geschlossen; aber was soll das denn heißen, was Vers 27 sagt: „Mitten in der Woche soll das Opfer aufhören, und ein Greuel der Verwüstung kommen“? Ich erinnere daran, daß die Zahlen nur bei Israel in Betracht kommen; diese siebzigste Jahrwoche ist eine reservierte Woche. Daniel sah von der hohen Warte, auf der er stand, nur die Geschichte seines Volkes, und nicht die der Gemeinde. Die Gemeinde ist in der Bibel nicht der Gegenstand der Prophetie, nur Gegenstand der Offenbarung. Die Propheten haben die Gemeinde Gottes nicht gesehen; sie lag nicht in ihrem Sehfeld. Die Gemeinde ist ein Geheimnis, von Ewigkeit her in Gott verborgen. Um dieses Geheimnis zu offenbaren, hat der Herr ein besonderes Apostolat errichtet und den Apostel Paulus zum Träger desselben bestimmt. Er gehört nicht zu den Zwölfen; er ist der Apostel der Nationen. Eph. 3,3-8: „Denn mir ist durch Offenbarung das Geheimnis zu erkennen gegeben worden - wie ich es oben kurz geschrieben habe; beim Lesen könnt ihr meine Einsicht in das Geheimnis des Christus merken - das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht zu erkennen gegeben wurde, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart worden ist: Die Nationen sollen nämlich Miterben und Miteinverleibte sein und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin nach der Gabe der Gnade Gottes, die mir nach der Wirksamkeit seiner Kraft gegeben ist. Mir, dem allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen.“

Das ist die Gemeinde. Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, daß, wenn von der Gemeinde im Neuen Testament die Rede ist, stets von ihr gesagt wird: „Erwählet vor Grundlegung der Welt.“ In dieser Beziehung gehen 3 Stellen auf die Gemeinde. Lies: Eph. 1; 2. Tim. 1,9: „Der uns hat selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem Vorsatz und Gnade, die uns gegeben ist in Christo Jesu vor der Zeit der Welt.“ 1. Petri 1,18-20: „Ihr seid erlöst mit dem teuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes, der zuvor ersehen ist, ehe der Welt Grund gelegt ward.“

Wenn es heißt: „Von der Welt an“, so geht das nicht auf die Gemeinde. Die Gemeinde ist der Gedanke Gottes von Ewigkeit her, ehe er die Welt schuf; noch war der Weltenplan nicht fertig, da war der Vorsatz, die Gemeinde zu schaffen, vorhanden. Das ist bedeutsam; das ist das große Geheimnis, das die Schrift uns offenbart. In dieser Zeit, wo Jerusalem zerstört und verwüstet liegt, beinah 2000 Jahre lang, kann nicht aufgebaut werden das Land, das verwüstet ist. Nein, jetzt ist die Zeit, wo der Herr seinen Plan ausführt, eine Gemeinde aus allen Nationen zu sammeln als Erstlinge, die mit Christo, dem Sohne Gottes, so verbunden werden, daß sie ein Fleisch mit ihm sind, ein Leib, mit dem er die Welt richten wird, wodurch die Absicht Gottes für das große Universum ausgeführt wird. Die Gemeinde hat nicht auf die Zahlen zu achten; uns ist nicht gesagt in der Prophetie, er wird dann und dann kommen; uns ist nur gesagt: „Er wird kommen, seid bereit alle Zeit!“ Unser Beruf ist, zu warten des Sohnes vom Himmel, nicht nach Zeiten zu horchen; immer in der Erwartung zu stehen, daß er kommt, uns zu holen und dem Jammer in der Welt ein Ende zu machen, das Antichristentum zu richten, nachdem er vorher eine Gemeinde hinweggenommen.

Die siebzigste Jahrwoche ist reserviert; sie kommt, wenn die Gemeinde hinweg ist; die Gemeinde ist das Organ, das Gefäß, durch das der Name Gottes getragen wird zu den Völkern; so lange die Gemeinde da ist, bleibt Jerusalem wüste.

Sobald der hinweg getan ist, der es jetzt noch aufhält, das ist der Geist, der jetzt in der Gemeinde wirkt, kann die siebzigste Jahrwoche erst kommen; dann wird der Boshaftige offenbart werden, der Antichrist kommen. Es regt sich jetzt schon gewaltig; der Geist des Antichristentums ist da; das Haupt fehlt nur noch, aber es kommt nach; das ist der Antichrist; das ist der kommende Fürst. Der wird mit den Juden einen Bund schließen, Mat. 24. Darum sagt der Herr: „Ein anderer wird kommen in seinem Namen; den nehmt ihr auf!“ Ja, den werden die Juden aufnehmen; mit dem Antichrist werden sie einen Bund schließen, der wird sich freundlich stellen und läßt sich anbeten; denn der Tempel ist dann wieder da, und der Antichrist wird sich in den Tempel setzen, um sich anbeten zu lassen. Aber mitten in der Woche … Das sind die letzten 3 ½ Jahre, wo der Satan von dem Erzengel Michael auf die Erde geworfen ist; er will zwar immer noch im Himmel bleiben, aber, seine Stunde hat geschlagen. Das Gericht naht nun auch für ihn, den Lügner von Anfang.

Wie wird's dann den Juden ergehen? Jer. 30,7: „Es ist je ein großer Tag, und seines gleichen ist nicht gewesen, und ist eine Zeit der Angst in Jakob; doch soll ihm daraus geholfen werden.“ Ja, der Tag der Angst Jakobs wird dann kommen; dann wird der große Fürst Michael sich aufmachen und für sein Volk streiten.

Dann wird noch einmal Jerusalem zerstört werden; dann kommt die große Not am Tage der Angst Satans; dann wird kommen der wahre Messias vom Himmel; dann wird ein Weinen entstehen auf Erden, wie es noch nie geweint worden ist: Israel wird weinen und sehen, in wen es gestochen hat. Die Bekehrung Pauli war ein prophetisches Bild von der Bekehrung Israels als Volk. Als er den Gekreuzigten lebendig gesehen, erst dann glaubte er. Er, der Messias vom Himmel, wird sich seinem Volke zeigen. Israel wird sehen, in wen es gestochen hat, aber der himmlische Josef wird sagen zu seinen Brüdern: „Kommt her, ihr Brüder, ihr gedachtet es böse zu machen, Gott hat es gut gemacht!“ Das alles liebt noch in der Zukunft; auf Erden werden wir, die wir mit dem Blute Christi gewaschen sind und auf den Tag des Kommens unseres Herrn warten, den Schmerz und die Freude Israels nicht mehr sehen; wir werden das nur von oben sehen. Die zurückgelassenen Nichtgläubigen werden es allerdings noch sehen.

Dann werden wir verschont bleiben vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommt.

Nun, wir leben also in einer wichtigen Zeit, da Israel auf die Seite gestellt wurde, und wir als Gemeinde die Aufgabe haben, der Leuchter zu sein, von dem das Licht ausgeht in die Welt hinein; da muß uns daran liegen, daß wir das rechte Leben und das rechte Licht haben, wie der Apostel sagt, zu erkennen, „ob ich auf irgend eine Weise möchte entgegenkommen der Auferstehung aus den Toten.“

Die Sache ist herrlich, aber auch ernst. Nehmen wir alle diese Stellung ein, daß wir den Herrn erwarten? Können wir ihn erwarten, geschmückt mit seinem Kleide, in den Händen brennende Lampen? Oder sind wir mit den weltlichen Geschäften verknüpft? Unsere Kleider unbefleckt erhalten, mit heiligem und gottseligem Wandel ihn vom Himmel erwarten, das ist unser Beruf, unser herrlicher Beruf.

Quelle: Gärtner - Eine Wochenschrift für Gemeinde und Haus 1908

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