Bader, Johann - Ein Gespräch-Büchlein

von anfangk des Christlichen Lebens mit dem jungen Volk zu Landau, auf die Oster-Zeyt.

MDXXVI.

Durch Johann Bader in schulßweyße gehandelt, Eym jeglichen Menschen, ehe er sich für eynn Christen ausgibt, und zum Nachtmal des Herrn zu gon sich vermisset, ganz not zu wissen.

Marci X.

Lasset die Kindlein zu mir kommen und wöret in nit, den solcher ist das reych Gottes.

Eine Frage

Begehrst Du ein Christ zu sein?
Antwort: ja.

Frage: Was gehört denn zu einem rechten wahrhaftigen Christen?
Antwort: Daß er glaubt und getauft sei.

Frage: Was ist der Glaub?
Antwort: Glaub ist, daß ich den Allmächtigen - ewigen Gott im Grund meines Herzens, zu aller Zeit, in allen Dingen und über alle Creatur für meinen freundlichen lieben Vater erkenne und bekenne, und mich alles Guten zum ihm versehe im Leben und Sterben, durch seinen geliebten Sohn, meinen Herrn Jesum Christum, in welchem ich vor der Welt Anfang von Gott erwählet bin, welcher auch mir von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit, und zur Heiligung und zur Erlösung, derohalben er auch dem himmlischen Vater meinethalben ist gehorsam worden zum Tod am Kreuz, und also meiner Sünde halber gestorben, und um meiner Gerechtigkeit willen wiederum auferweckt.

Frage: Wie erlangt man diesen Glauben?
Antwort: Durch die auswendige Predigt des heiligen Evangeliums, und die inwendige Einsprechung des heiligen Geistes.

Frage: Wird der obgemeldete wahrhaftige Glaube allen gegeben, die das Evangelien wissen, hören oder lesen?
Antwort: Nein, sondern diesen allein, so Gott vor der Welt anfangs zu seinem Reich auserwählet und in das Buch des Lebens beschrieben hat. Act. XIII. und zu gleicher Weise der Berufenen viele und der Auserwählten wenige sein, also auch sein ihrer viel, die den falschen Glauben, und wenig, die den wahrhaftigen Glauben haben und überkommen.
Und aus diesem Grunde muß man - verantworten die gemeine Klage, so jetzt und von Vielen fürgewendet wird, mit Namen, daß das Evangelion trefflich von Vielen und in vielen Orten gepredigt wird, und doch gar wenig guter evangelischer Frucht bringe, denn es kommt Alles daher, daß viele berufen und wenige auserwählt sind, und daß der gute Samen nicht mehr denn ein Theil hat, da er Frucht bringt, und sonst wohl drei Theile, da er verdirbt.

Frage: Wobei erkennst du den wahrhaftigen Glauben vor dem falschen?
Antwort: Ich erkenne ihn bei der ungefärbten Liebe, denn der wahrhaftige Glaube geht stets mit der ungefärbten Liebe um, der falsche aber liegt still in der Liebe, und treibt allein viel aufgeblasener Wort, und falsch gleißende Werke, die Gott nicht geheißen hat.

Frage: Welches ist die ungefärbte Liebe?
Antwort: Die durch das heilige Kreuz bewährt und geübt wird und besteht.

Frage: Was ist das heilige Kreuz?
Antwort: Es ist, daß man unschuldig und um Wohlthat willen leidet mit Geduld, gleich wie unser Haupt Christus, das ist das recht heilige Kreuz, das heilige Leute macht, dem Teufel seine Gewalt bricht, darin allein sich die wahren Christen zu rühmen haben, denn es ist ein sonderliches Kleinod des Evangelions, welches derohalb das Wort des Kreuzes genannt wird. 1. Cor. 1.

Frage: Was ist das Evangelion?
Antwort: Es ist eine süße fröhliche Botschaft Gottes, darin Gott verspricht Vergebung der Sünde und das ewige Leben, durch den Verdienst Jesu Christi allen Menschen, die sich Sünder bekennen, Gott vertrauen und ihn von ganzem Herzen anrufen.

Das Vaterunser

Frage: Wie soll man aber Gott anrufen?
Antwort: Gott soll man anrufen im Geist und in der Wahrheit, mit solchen Worten, wie es Christus der Herr seine Jünger am Paternoster gelehrt hat, das steht Matth. 6. geschrieben und lautet also:
Unser Vater in den Himmeln, Dein Name sei geheiligt, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe auf Erden wie in dem Himmel, unser täglich Brod gib uns heute, und vergieb uns unsere Schulden, wie wir unsern Schuldigern vergeben, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel, denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Frage: Wie verstehst du dies Gebot, das erzähle von Stück zu Stück.
Antwort: Ich verstehe es also:
Unser Vater in den Himmeln.
Das Wort ist gleich als eine Vorrede und Titel Gottes, darin die drei göttlichen Tugenden, Glaube, Liebe und Hoffnung beschlossen sind, der Glaube in dem Wörtlin Vater, die Lieb im Wörtlin unser, die Hoffnung im Wörtlin Himmeln. Und damit wird bedeutet, daß Niemand das heilige Gebet recht braucht, und das, so darin gemeinet ist, verstehn oder erlangen werde, er habe denn vorhin angefangen zu glauben, zu lieben und zu hoffen.
Dein Name sei heilig
Das ist die erste Bitte, darin mir Christus, mein lieber Herr und Meister, anzeigt, daß ich von angeborner Natur, in aller göttlichen Weisheit, ein blinde Narrheit bin, und daß mir von natürlicher Hilfe unmöglich ist, daß ich so reverenzlich und ehrwürdiglich mit dem heiligen Wort und Namen Gottes möge umgehen, als Gott wohl würdig ist und ich schuldig bin, sondern daß mir solche übernatürliche Gabe und Kunst von Gott allein gegeben muß werden; darum bitt ich und sprech: Dein Name rc. rc.
Dein Reich komme.
Das ist die andere Bitte, darin Christus mein Meister mir offenbart, daß ich von Geburt her in aller göttlichen Heiligkeit eine verstockte Bosheit bin, und daß es meiner Natur nicht möglich ist, daß ich am ersten nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit trachten, und den gekreuzigten Christum für meinen König annehmen und mich unter den Gehorsam der göttlichen Gebote, wie sie das Evangelion erkläret, ergeben, und mit seinem Geist und heiligs Wort regieren lassen möge: derohalben bitt ich und sprech: Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
Das ist die dritte Bitte, darin weiset mich mein Herr Meister Christus, daß ich von Natur in aller göttlichen Gerechtigkeit ein verdammte Ungehorsamkeit bin, und - daß ich den gerechten guten Willen Gottes, wie er allezeit ohne einerlei Versäumung im Himmel geschieht, von natürlichen Kräften, niemmermehr lieben, viel weniger vollenbringen möge; darum bitt ich und sprech: Dein Wille geschehe.
Unser täglich Brod.
Das ist die vierte Bitte, darin mir Christus, der Herr, kund thut, daß ich ohne tägliche Speisung des lebendigen Wortes Gottes, das Christus selbst ist, das gottselige und ewige Leben nicht haben kann, demnach geschrieben steht, der Mensch wird nicht von dem Brod allein leben, sondern von einem jeglichen Worte, das durch den Mund Gottes geht; deßhalb bitte ich und spreche: unser täglich Brod.
Und vergebe uns unsere Schuld.
Das ist die fünfte Bitte, darin weiset nach der Herr Christus, daß ich mein Leben lang ein armer verdammter Sünder bleibe, und daß ich mich nicht eher Gnade zu Gott versehen möge, ich habe denn vorhin Gnade an meinen Schuldnern bewiesen; darum bitt ich und sprech: Und vergib uns.
Und führe uns nicht in Versuchung.
Das ist die sechste Bitte, darin mir Christus offenbaret, daß ich mein Lebenlang muß in Anfechtung stehn, der Welt, des Teufels und meines eigenen Fleisches, und von mir selbst nicht bestehn möge, sondern allein in der Kraft Gottes; derhalben so bitt ich und sprech: Und führe uns nicht.
Sondern erlöse uns.
Das ist die siebente Bitte, darin mich Christus mein Herr und einiger Meister bericht, daß ich im Jammerthal sei, mitten unter vielen Feinden, und schon getreten habe auf den Weg zum Tode und zur Hölle, und daß ich mich Niemand wieder retten und erlösen möge, denn Gott allein. Darum bitt' ich sprech': sondern erlöse uns.
Denn Dein ist das Reich.
Das ist der Beschluß dieses Gebet, darin aber einst Gott dem Herrn seine Ehre und Titel gegeben wird, wie auch im Anfang; dadurch ist bedeutet, zu gleicher Weise das Gebet im Glauben will angefangen sein - , also müßte es auch wiederum im Glauben vollendet und beschlossen werden, und wie man sich davor hat zu Gott zu versehn, er werde unser Gebet väterlich annehmen und erhören, also muß man ihm auch darnach gänzlich vertrauen, es sei schon geschehen, angenommen und erhört worden. Amen.

Frage: Wo kommt das Evangelion her?
Antwort: Es kommt von dem Herrn Jesu Christo, der es hat selbst vom Himmel gebracht, und geprediget, und darnach durch seine Apostel, mit Hülfe des heiligen Geistes, in die ganze Welt lassen verkündigen, und also ist es bis auf uns gekommen.

Frage: Wieviel sein der Hauptstücke des wahren christlichen Glaubens, die im Evangelio ihren Grund haben, und wie lauten sie? und wie verstehst du sie?
Es sein ihrer zwölf und lauten also:

Das Glaubensbekenntnis

Der erste Artikel.
Ich glaube in Gott, Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und Erdreichs. (Das hat die Meinung, ich glaube. NB. Diese Worte der Abschrift fehlen im Druck, welcher beginnt:) Bin fein gewiß im Grund meines Herzens, daß der einige ewige allmächtige Gott, der Himmel und Erden erschaffen hat, mein freundlicher günstiger lieber Vater sei, und ich sein auserwähltes herzliebes Kind sei, und daß er mir auch thun werde, wie ein günstiger Vater einem lieben Kinde zu thun schuldig und geneigt ist, unangesehen - daß ich von Geburt her ein armer unnützer Sünder bin und bleibe bis in den Tod hinein.

Der andere Artikel.
Ich glaub' in Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn.
Das hat die Meinung, ich glaube und bin fein gewiß in Grund meines Herzens, daß Jesus Christus ein natürlicher, einiger, ewiger und allmächtiger Sohn Gottes ist, der durch eine ewige unaussprechliche Geburt vom Vater geboren wird, und die zweite Person in der Gottheit ist, daß er auch ein gewaltiger Herr sei, nach seiner Menschheit, über mich und alle Creatur, und daß mir seine gewaltige Herrschaft nimmer zu Schaden, sondern allwegen zu Nutz und Seligkeit dienen werde.

Der dritte Artikel.
Ich glaub', daß der gemelt Sohn Gottes, Jesus Christus, von dem heiligen Geist empfangen und aus der Jungfrau Maria geboren sei.
Das hat diesen Verstand, Ich glaub', daß der ewige natürliche Sohn Gottes ein wahrhaftiger natürlicher Mensch worden sei, und nichts destoweniger allzeit wahrhaftiger Gott verblieben, und daß solche Menschwerdung übernatürlich, durch den heiligen Geist in dem jungfräulichen Leib Maria's vollbracht sei, daß es auch mir zu gut, auf daß ich der ewigen Gottheit theilhaftig würde, geschehen seie.

Der vierte Artikel.
Ich glaub', daß Jesus Christus, mein Herr, unter dem Richter Pontio Pilato gelitten hat, gekreuzigt, gestorben und begraben sei.
Das hat diesen Sinn, Ich glaube, daß mein Herr Jesus Christus sich selbst gutwilliglich aus Gehorsam des himmlischen Vaters in der hand der Sünder ergeben und also unter dem Richter Pilato, allein nach der Menschheit, gelitten hat, am Kreuz gestorben, und begraben sei worden, und daß es Alles mir zu Gute geschehen sei, aus Gnaden, auf daß ich durch das unbefleckte Blut des Lämmleins Gottes, von meinen Sünden gewaschen, und durch den unschuldigen zeitlichen Tod meines lieben Herrn vom ewigen Tod erlöset würde.

Der fünfte Artikel.
Ich glaub', daß Jesus Christus, mein Herr, zur Hölle abgestiegen und am dritten Tag wiederum von den Todten auferstanden sei. Das hat diese Meinung, ich glaub', daß die allerheiligste Seele meines Herrn Jesu Christi, nachdem sie am Kreuz von dem allerheiligsten Leib ausgegangen ist, hinab in die Hölle gestiegen sei und allda ihre unüberwindliche Gewalt und Herrschafft auch den verstoßenen Engeln zu preisen gegeben habe, und darnach am dritten Tage sich wiederum mit dem Leib im Grabe vereinigt, und demselbigen ein neues clarificirt und ewiges Leben gegeben habe. Und daß solches Alles mir zu Dienst geschehen sei, auf daß mir durch Christum nicht allein die Welt, Sünde und Tod, sondern auch die Hölle mitsammt den Teufeln überwunden, und unschädlich gemacht würden, und zu gleicher Weise mein Herr und Hauptmann Christus Jesus wahrhaftig erstanden ist, daß ich auch also auf den Tag se Herrn in ein neues clarificirt und ewiges Leben erstehen werde.

Der sechste Artikel.
Ich glaube, daß Jesus Christus, mein Herr, sei aufgestiegen in den Himmel, und dort sitze zur Rechten seines allmächtigen Vaters. Das hat diesen Sinn, Ich glaub', daß mein Herr Jesus Christus mit Leib und Seele, wie er aus dem Grabe erstanden ist, das Erdreich und die leibliche Beiwohnung der sterblichen Menschen geräumet und verlassen hab, und sich hinauf in den Himmel und Wohnung der unsterblichen Engel, als ein gewaltiger Herr über alle Creatur, gesetzt und bestätigt hab', und daß solches mir zu Dienst geschehen sei, auf daß er mich noch täglich vor Gott vertrete, mein Herz von dieser bösen Welt hinauf in den Himmel ziehe, und mich zuletzt auch dahin bringe, da er jetzt ist.

Der siebente Artikel.
Ich glaube, daß Jesus Christus, mein Herr, zukünftig ist zu richten die Lebendigen und Todten. Das hat diesen Verstand. Ich glaube, daß mein Herr Jesus Christus am jüngsten Tage wiederum werde aus dem Himmel brechen mit großer Gewalt und Herrlichkeit, und sich der ganzen Welt in der Menschheit werde offenbaren, also scheinbarlich, wie ihn die Jünger haben gesehen mit leiblichen Augen gen Himmel fahren, und werde den einen gemeinen Reichstag halten, und ein Endurtheil geben über Gläubige und Ungläubige, den Gläubigen die ewige Seligkeit, den Ungläubigen die ewige Verdammniß zusprechen, und daß solche Zukunft mir zu Gutem dienen werde, auf daß ich endlich aus aller Unvollkommenheit des Leibes und der Seele erlöset und in die Vollkommenheit Jesu Christi meines Hauptes bestätigt werde.

Der achte Artikel.
Ich glaube in den heiligen Geist, das hat diese Meinung: Ich glaub', daß der heilige Geist ein ewiger allmächtiger Gott ist mit dem Vater und dem Sohn, und die dritte Person in der einigen Gottheit, der da von dem Vater und dem Sohn ewiglicher und unaussprechlicher Weise ausgeht, und daß er mein getreuer Gott und wahrhaftiger Tröster sei, durch den ich die ewige Versöhnung des Vaters erkenne und annehme, und die gnadenreiche Erlösung des Sohns erlange und einnehme.

Der neunte Artikel.
Ich glaub', daß eine heilige christliche Kirche, eine Gemeinschaft der Heiligen, das hat diesen Sinn: Ich glaube, daß mein Herr Christus ein eigen auserwähltes Volk und eine gewisse Zahl Menschen ausserdem habe, für welche er sich selbst aus ewiger Liebe geben, und sie durch's Wort und den heiligen Geist zu einem neuen heiligen und unsträflichen Volk gemacht habe - , daß sie ihn für ihren König und Seelenbischof erkennen, seine Stimme allein hören, und sich seinen gerechten Geist lassen regieren. Daß auch solch' eigen Volk Gemeinschaft habe in allen Gütern ihres Hauptes Jesu Christi, dergleichen unter ihnen selbst in allem, das ein Jeglicher hat und vermag, es betreffe Friede oder Traurigkeit, zu gleicher Weise eine Gemeinschaft ist in allen Gliedern, die einen Leib machen, und unter einem Haupt zusammenkommen. Und daß ich in der Zahl solcher heiligen Menschen, die Christus Kirche und lebendiger Tempel seien, auch begriffen sei.

Der zehnte Artikel.
Ich glaub' Ablaß der Sünden, das hat diesen Verstand: Ich glaube, daß Gott mein himmlischer Vater, durch den Verdienst meines Herrn Jesu Christi und die Tröstung des heiligen Geistes, allen Gliedern der christlichen Kirchen ihre Sünde verzeihe und gänzlich nachlasse, aus Gnaden ohne all ihren Verdienst, daß auch Vergebung der Sünde sonst nirgends sei denn allein in gemeldeter christlicher Kirchen. Und daß ich derselben Glieder eines bin, dem Gott also seine Sünde verziehen hat.

Der elfte Artikel.
Ich glaube Auferstehung des Leibs, das hat diese Meinung: Ich glaub_, daß das ganze menschliche Geschlecht, Adam mit allen seinen Kindern, am jüngsten Tag wiederum leiblich auferstehen werden, eben mit denselbigen Körpern, Fleisch und Blut, Haut und Bein, darin sie vorhin auf Erden gelebt, gessen, getrunken, gangen und gestanden haben, unangesehen wie sie verzehrt sein, durch Wasser oder Feuer, also aber, daß die Körper der Gläubigen gar viel schöner werden, leuchten denn der Ungläubigen. 1. Corinth XV., denn die Gläubigen werden auferstehen zu empfangen das Urtheil der ewigen Benedeiung mit ihrem Haupt Jesu Christo, die Ungläubigen aber zu empfangen das Urtheil der ewigen Maledeiung mit ihrem Haupt, dem Teufel, und daß ich sein werde in der Zahl der Gebenedeieten unter dem Haupt Christo.

Der zwölfte Artikel.
Ich glaub' ein ewiges Leben, das hat diesen Sinn: Ich glaube, daß alle Menschen nach der Auferstehung ewiglich also bleiben werden, so lang als Gott bleibt, die Gläubigen mit Gott in ewiger Freude, die Ungläubigen mit dem Teufel in ewiger Pein, und daß ich sei in der Zahl der auserwählten Kinder, ein Erbe Gottes, und Miterbe Jesu Christi. Amen.

Die Taufe

Frage: Was ist der christliche Tauf?
Antwort: Der christliche Tauf ist ein sichtbarlich Bundzeichen Gottes im neuen Testament (gleichwie die Beschneidung im alten Testament gewesen ist) und geschieht mit Wasser auswendig am Leib, dadurch ich von denen, so mich getaufet und zum Tauf gebracht haben, in den kindlichen Gehorsam Gottes verlobt bin, den alten sündlichen Adam auszuthun, und den neuen unsündlichen Adam Jesum Christum anzuziehn. Das hat diese Meinung: Der Tauf ist ein solch' Werk, daß ich dadurch Gott dem himmlischen Vater zu eigen ergeben, und der Welt sammt ihrem Fürsten dem Teufel und aller Sünde abgeschlagen bin, in der Gestalt zu gleicher Weise der eingeborne geliebte Sohn Gottes JEsus Christus mein Herr einmal für meine und der Welt Sünde gestorben, und wiederum in ein neues unsterbliches Leben erstanden ist, darin er des vorigen sterblichen Lebens gebrechliche Werke nimmer treibt, daß ich auch dergleichen nach dem Tauf und Bade der Wiedergeburt das alte sündliche Leben verlassen, und ein neues göttliches und christliches Leben angefangen, und mein ganzes Leben lang führen soll, so lang bis ich einmal leiblich sterbe, und zuletzt in den Stand komme, da mein Haupt Jesus Christus jetzund ist.

Frage: Was ist aber nun der kindliche Gehorsam Gottes, und das neue göttliche und christliche Leben, darzu oder darin ich durch den Tauf verzeichnet und verlobet bin?
Antwort: Es ist, daß ich von ganzem Herzen Lust und Freud hab' an den Geboten Gottes, und dieselben mit solcher Lust und Freude anfange und vollbringe mit den Werken.

Frage: Wieviel sein derselbigen göttlichen Gebote, dazu ich solche Lust und Freude haben muß?
Antwort: Es sein ihrer zehn, werden aber allesammt in dieser Summe begriffen, glaub' in den einigen Gott, hab' ihn lieb von ganzem Grunde deines Herzens, und darnach liebe deinen Nächsten als dich selbst.

Die zehn Gebote

Frage: Wo stehen die zehn Gebote geschrieben, und wie lauten sie?
Antwort: Im alten Testament stehn sie beschrieben im andern Buch Mosis im XX. Capitel, und dergleichen im fünften Buch Mosis im 5. Cap. und lauten also.

Das erste Gebot.
Ich bin der Herr dein Gott, der dich aus Egyptenland, aus dem Diensthause geführet habe rc. rc. Das verstehe ich also, denn das Gebot greift das Herz an, und bestimmt wie Gott an ihm selbst mit dem Herzen, der Gedanken halben, will geehrt sein, und ist das die Summe, daß ich zu aller Zeit, in allen Dingen, Gott allein soll vertrauen, lieben und fürchten, nicht wie einen Feind, sondern als einen freundlichen günstigen lieben Vater, demnach geschrieben steht Matth. IIII.: Du sollst anbeten Gott deinen Herrn und ihm allein dienen.

Das zweite Gebot.
Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht vergeblich führet. Das verstehe ich also, denn dies Gebot greift den Mund an, und bestimmt, wie Gott an ihm selbst mit dem Munde, des Worts halben, will geehrt sein, und ist das die Summe: Zu gleicher Weise ich zu aller Zeit, in allen Dingen, und über alle Dinge Gott allein bevor habe, in kindlicher Liebe und Furcht, daß ich auch also reverenzlich und ehrwürdiglich mit seinen heiligen erschrecklichen Namen, und mit einem jeglichen Wort, das aus Gottes Munde kommt, umgehe, das ist, daß ein jeglich Wort, darunter Gott gemeint ist, so reverenzlich von mir gehalten werde, als groß ich von Gott im Herzen zu halten schuldig bin.

Das dritte Gebot.
Gedenke des Sabbathstages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten rc. rc. Das verstehe ich also, denn das Gebot greift die ganze Natur an, und bestimmt, wie Gott an ihm selbst, in allem Thun und Lassen, der Werke halben will geehrt sein, und ist das die Summe, zu gleicher Weise ich zu aller Zeit, in allen Dingen, und über alle Dinge, groß von Gott halt' im Herzen, und wohl von ihm rede mit dem Munde, daß ich auch also in allen Werken, es betreffe Thun oder Lassen, Gott allein soll die Ehr' geben, und den christlichen Sabbath oder Ruhetag halten, also, daß ich von den angebornen bösen Adamswerken, so mir im Herzen stecken, (als da ist die fleischliche Liebe zu mir selbst, die fleischliche Klugheit, die fleischliche Gerechtigkeit und die fleischliche selbsterdichtete Geistlichkeit rc.) ruhen und feiern soll, gleichviel Gott von seinen Werken der Schöpfung am siebenten Tage geruhet, und still gestanden hat, und dagegen Gott mit mir lassen umgehn, daß er durch sein Wort und heiligen Geist einen neuen Menschen aus mir mache, der nach dem geliebten Sohn Jesu Christo formirt sei, solch Werk und kindlichen Gehorsam beweise, wie Christus gelehret und selbst gethan hat.

Das vierte Gebot.
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren rc. rc. Das verstehe ich also, denn das Gebot mit sammt allen nachfolgenden stimmen auf die Creatur, und lehren wie Gott an seinen Creaturen will geehret sein, zu gleicher Weise in den drei ersten gesaget ist, wie man ihn an ihm selbst zu ehren schuldig sei; sonderlich aber befiehlt mir Gott, wie ich ihn ehren soll an aller irdischen Obrigkeit, darunter er mich gethan hat, unter welchen die Obrigkeit der Väter und Mütter die erste und gemeinste ist, und ist das die Summe, daß ich um Gottes meines Herrn willen, alle Obrigkeit, darunter ich lebe, ehren soll mit auswendigen und inwendigem Gehorsam, dergleichen mit auswendiger Ehrsamkeit, und da nicht ansehen ihre Person, ob sie gute oder böse Christen oder Unchristen wären, sondern das heilige Gebot und gerechten Willen meines himmlischen Vaters. Es wäre denn Sach', daß die Obrigkeit mich wider den Glauben zu Gott oder die Liebe zum Nächsten zu thun heißen wollte, dann in solchem Fall soll und muß ich Gott mehr gehorsamen, denn keinem Menschen und um Gottes willen Könige und Kaiser, Vater und Mutter, Weib und Kinder, je auch mich selbst verleuckeln und übergeben.

Das fünfte Gebot.
Du sollst nicht tödten. Das verstehe ich also, denn in diesem Gebot befehlt mir Gott, wie ich ihn ehren soll in der Person meines Nächsten. Und ist das die Summe, daß ich allwegen ein freundliches süßes Herz zu meinem Nächsten tragen soll, wie ich glaube, daß Gott gegen mir ein ganz väterliches Herz trage, daß ich auch dasselbige süße Herz allwegen gegen ihn erzeigen soll, mit freundlichen und brüderlichen Worten und Werken, nicht allein so er mein Freund ist und mir wohl will, sondern auch so er mein Feind ist und mir übel will. Matth. V.

Das sechste Gebot.
Du sollst nicht ehebrechen. Das verstehe ich also, denn in diesem Gebot befehlt mir Gott, wie ich ihn ehren soll, in den vornehmlichen Gütern meines Nächsten, die ihm als lieb sein als sein eigen Leib, als insonderheit ist das eheliche Gemahl. Und ist das die Summe, daß ich allwegen ein reines unschalkhaftiges Gemüth zu meines Nächsten Gemahl tragen soll, und dasselbige in allen Wegen beweisen, mit keuschen und reinen Worten und Werken, als wohl so sie bös seien, als so sie gut wären.

Das siebente Gebot.
Du sollst nicht stehlen. Das verstehe ich also, denn in diesem Gebot befiehlt mir Gott, wie ich ihn ehren soll in allen zeitlichen Gütern meines Nächsten. Und ist das die Summe, daß ich allwegen ein gutwillig genüglich Herz daran soll haben, und dasselbige offenbaren mit förderlichen Worten und Werken, als wohl so er wider mich ist, als so er mit mir dran wäre.

Das achte Gebot.
Du sollst kein falsches Zeugniß geben wider deinen Nächsten. Das verstehe ich also, denn in diesem Gebot befiehlt mir Gott, wie ich ihn ehren soll, in allen geistlichen Gütern meines Nächsten. Und ist das die Summe, daß ich allerwegen ein begehrlich förderlich Herz dazu haben soll, und soll ich's beweisen zu aller Zeit mit fürträglichen heilsamen Worten und Werken, als wohl so er unfromm ist, als so er der allerfrömmst wär.

Das neunte Gebot.
Du sollst nicht deines Nächsten Weib begehren. Das verstehe ich also, denn in diesem Gebot befiehlt mir Gott abereinst, wie ich ihn ehren soll in dem Ehegemahl meines Nächsten, gleichwie im sechsten, doch mit dem Unterschied, denn im sechsten ist mir geboten, daß ich die Unkeuschheit, so mir der Natur halber im Herzen steckt, zu meines Nächsten Schaden und Schande nicht treiben soll, weder mit Worten noch mit Werken. Hier aber wird mir weiter geboten, daß ich das unkeusche fleischliche Herz ganz nicht haben soll, auf daß zumal kein Stücklein oder Wurzel der verdammten fleischlichen Unkeuschheit bei mir gefunden werde, sondern daß mein Herz, und alles was an mir ist, so ganz rein und unbefleckt sei, aller verdammter Unkeuschheit halber, daß ich auch nicht begehren möge meinen Nächsten mit Unkeuschheit zu beleidigen, so mir auch gleich Ursache dazu geben würde.

Das zehnte Gebot.
Du sollst dich nicht lassen gelüsten deinen Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Ochsen, Esel und Alles, was sein ist. Das verstehe ich also, denn in diesem Gebot befiehlt mir Gott abereinst, wie ich ihn ehren soll in allerlei Gütern meines Nächsten, gleichwie im siebenten und achten, aber mit dem Unterschied, denn im siebenten und achten ist mir geboten, daß ich den Geiz und Ungerechtigkeit, so mir von Natur im Herzen angewachsen ist, zu meines Nächsten Schaden und Nachtheil nicht üben soll, weder mit Worten noch mit Werken, sondern zu aller Zeit geneigt sein soll, sein Glück und Heil in Zeitlichem und Ewigem zu fördern; aber hier ist mir weiters geboten, daß ich das geizige und ungerechte Herz ganz nicht haben soll, auf daß nirgends kein Stücklein oder Wurzel des Geizes und Ungerechtigkeit bei mir gefunden werde, sondern daß mein Herz, Wort und Werk, und alles das ich bin, so ganz rein und heilig sei, von allem Geiz und Ungerechtigkeit, daß ich auch nicht begehren möge meinen Nächsten zu beschädigen in Allem, das er hat und ist, ob mir auch schon Ursach und alle Anreizung dazu geben würde.

Für allen Dingen der zehn Gebote halben, wer sie anders recht verstehn will, und nicht geärgert werden durch das, daß in den dreien ersten viele Worte stehn, die allein auf die Juden stimmen, so muß man allwegen wohl merken, daß das Gesetz heilig und geistlich ist. Röm. III. und fürnehmlich dienet zur Offenbarung und Erkenntniß der Sünde. Röm. III. u. VII.

Frage: Ist es auch von Nöthen, daß ich die zehn Gebote mit soviel Worten, wie sie Gott gelehrt hat, und wie sie im alten Testament beschrieben stehn, wisse und erzählen könne, oder wäre es genug, daß ich die kurzen Summen davon wüßte, wie man sie dann gemeinlich auf den Kanzeln am Sonntag fürgelesen hat?
Antwort: Nein, es ist nicht genug, denn sintemal es einem jeglichen vernünftigen Menschen so da sehen, hören und reden kann, möglich ist, daß er die zehn Gebote lernen möge, mit den Worten, wie sie beschrieben stehn, als wohl man sonst andere weltliche Märlein und Buhlliedlein lernen und behalten kann, so ist billig, daß ein jeglicher Christ sie also von Wort zu Wort wisse und kenne, wie sie von Gott gegeben sein, demnach geschrieben steht. Deut. VI: Diese Worte, die ich dir heut' gebiete, sollst du zu Herzen nehmen, und sollst sie deinen Kindern schärpfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzest, oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegest oder aufstehest, und sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sollen dir ein Denkmal für deinen Augen sein, und sollst sie über deinen Hauses Pfosten schreiben, und an die Thore; das will auch David gleich im Anfang des ersten Psalmen, als er spricht der Mann sei selig, der seine Lust am Gesetz des Herrn hat, und Tag und Nacht davon redet.

Frage: Sintemal nun die zehn Gebote den Juden erstmals gegeben sein, und im alten Testament beschrieben stehn, und von Christus Zeit her das neue Testament eröffnet ist, sein auch die Christen im neuen Testament zu den gemeldeten zehn Geboten von Gott verpflichtet?
Antwort: Ja, sie sein dazu von Gott verpflichtet (und nicht allein sie, sondern das ganze menschliche Geschlecht, so von Anfang in der Welt gewesen, und bis zu Ende der Welt sein werden), dann ihr einiger hoher Priester Jesus Christus hat sie selbst gehalten, und dazu gesprochen Matth. XX.: Willst du in das Leben geh'n, so halte die Gebote. Und Matth. V. sagt er: ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen, denn ich sage euch wahrlich, bis daß Himmel und Erde zurgehn, wird nicht zurgehn der kleinste Buchstabe noch ein Titel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe.

Frage: Ist dir's denn auch möglich, daß du die zehn Gebote (so du sie verstehst) allesammt gehalten und erfüllen magst, wie es vor Gott genug ist?
Antwort: Es ist mir oder keinem Menschen möglich, von angeborner natürlicher Kraft das allergeringste Gebot zu halten und zu erfüllen, wie es vor Gott genug ist. Dieweil ich aber glaube in Jesum Christum, und in solchem Glauben die Gebote angefangen habe zu thun, so will mir's Gott zur Gerechtigkeit zumessen, nicht anders denn als ob ich die Gebote und das ganze Gesetz allenthalben gehalten und erfüllt hätte, denn mein Herr und Haupt Jesus Christus hat sie allesammt gehalten und erfüllet, wie es vor Gott genug ist. Und um meines Glaubens willen, so theilt mir Christus mein Haupt seine Gerechtigkeit mit, in aller Gestalt als ob ich das ganze Gesetz selbst erfüllt und gehalten hätte, wie er's doch allein erfüllt und gehalten hat. Röm. 5. Christus ist des Gesetzes Ende, daran rechtfertigt wird, wer da glaubt. Darum so ist der Glaube in Jesum Christum, das einige Gottwerk, das vor Gott gilt und selig macht. Joh. 6. Das ist Gottes Werk, daß ihr an den glauben, den er gesandt, dagegen ist der Unglaube an Jesum Christum das einige böse Werk, das vor Gott verworfen ist und verdammt ist und verdammt macht. Joh. III. Der Vater hat den Sohn lieb, und hat ihm alles in seine Hand gegeben, wer an den Sohn glaubet, der hat das ewige Leben, wer dem Sohn nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.

Quelle: Gelbert, J.P. - Magister Johann Baders Leben und Schriften
Zwischenüberschriften durch AJ

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