Arnd, Johann - Haltet fest an der Demut

Das Werk, das bestehen soll, muß auf dem Grund der Demut erbaut werden, denn der Mensch vermag von sich selbst nichts. Wir haben viel mehr Ursache, uns zu demütigen, als stolz zu sein.

Erstlich sind wir aus lauter Nichts gekommen und werden wieder zu lauter Nichts und sind weniger als ein Schatten, der verschwindet.

Wir spüren auch alle die große Vergiftung und Verdorbenheit unserer Natur, daß wir alle zu großen Sünden geneigt sind. Wenn uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit nicht hielte, fielen wir täglich in allergrößte Sünden und in die ewige Verdammnis und würden allen Teufeln in der Hölle ewig zuteil.

Du kannst auch den bösen Geist nicht besser überwinden als durch Demut. Denn der böse Geist ist hoffärtig und kann nicht mit Stolz, sondern nur mit Demut überwunden werden.

Wenn du dich in lauter Demut zu Gott wendest, abwendest von allen Sünden, dann überwindest du den Teufel, der sich mit Schanden davonmachen muß. Es ist ein erbärmlich Ding, wenn sich ein Mensch vom Teufel überwinden läßt, denn der Christ ist doch mit Gottes Wort, Geist und Kraft gerüstet. Es ist so, als wenn ein wohlgerüsteter Mann sich vor einer Fliege niederlegte und ließe sich peinigen.

Bei den Demütigen ist die Gnade so stark und mächtig, daß ein Mensch dadurch den Satan überwinden kann. Wenn du ihm männlich durch Gottes Kraft und Gnade widerstehst, so kann dir auch der Satan nichts anhaben.

In der Demut ist auch die wahre Buße gegründet, da der Mensch von Herzen die Sünde bereut, seine abgrundtiefe Unreinigkeit, verborgene Bosheit und das Verderben seines Herzens sieht und sich im Glauben an Gottes Gnade hält.

Die wahre Demut hält den Menschen allezeit in tiefem Frieden bei Glück und Unglück. Ob Gott gibt oder nimmt, in Lieb oder Leid, bei sauer oder süß, bleibt doch der Mensch sich gleich.

So wirkt denn Gott große Dinge in den Demütigen. Vorher haben sie ihre eigenen Werke aus sich selbst getan. Aber nun trägt sie Gott und wirkt alle ihre Werke, ja, seine Werke - auch die Demut - in ihnen und durch sie.

Gebet. Wer ist der Herr, unser Gott, der sich so hoch gesetzt hat und auf das Niedrige sieht im Himmel und auf der Erde! Dir, Herr, ist niemand gleich. Du bist groß. Du widerstehst dem Hoffärtigen, aber dem Demütigen gibst du Gnade.

So kommt, liebe Kinder Gottes, laßt uns anbeten, knien und niederfallen vor dem Herrn, laßt uns mit allem, was wir sind und haben, uns ihm zu Füßen legen und von Herzen sagen: Herr, du bist alles, ich bin nichts. Von deiner Gnade bin ich, was ich bin. laß mich das in aller Demut erkennen, bewahre mein Herz vor dem eitlen Stolz und lehre mich, deinen Namen in alle Ewigkeit zu loben und zu preisen. Amen.

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